Beispielhafte Fernwärmekosten

Welche Informationen werden benötigt, um die Kosten für die Versorgung mit Fernwärme zu ermitteln?

Bei einer Fernwärmeversorgung erhalten sie alles aus einer Hand. Sie bezahlen nur die Kosten für die Bereitstellung und den tatsächlichen Wärmeverbrauch. Umwandlungsverluste bei der Erzeugung sowie Verluste im vorgelagerten Verteilnetz gehen nicht zu Ihren Lasten.

Unter Zuhilfenahme der veröffentlichten Preise können Sie die Kosten, die Ihnen bei der Fernwärmeversorgung entstehen, einfach selbst ermitteln.

Neben den Preisen benötigen Sie dazu lediglich noch einige Eckdaten zu Ihrem Gebäude. Dazu zählen zum Beispiel die von Ihnen ermittelte, konkrete Wärmeleistung des zu versorgenden Gebäudes ("Versorgungsumfang") und der tatsächliche Wärmeverbrauch im jeweiligen Abrechnungszeitraum.

Grundlagen zur Berechnung

Zur Vereinfachung und besseren Vergleichbarkeit der Ergebnisse gehen wir in den Berechnungen zur Ermittlung der Heizlast von einem durchschnittlichen Wärmebedarf von 50 Watt je m² aus. Dies entspricht einem normal gedämmten Bestandsgebäude. Bei Neubauten ist der Wärmebedarf geringer und bei älteren Gebäuden - speziell bei denkmalgeschützten Objekten - üblicherweise höher.

Des Weiteren berücksichtigen wir in den Berechnungen, dass die Heizung 1.800 Stunden im Jahr zu 100 % in Betrieb ist (sog. Vollbenutzungsstunden). Dies ist ein branchenüblicher Wert und wird zur Ermittlung des Jahresverbrauches herangezogen.

Zur Ermittlung des für die Fernwärme erforderlichen Anschlusswertes kann die Heizlast des Gebäudes abgewertet werden. Daher nutzen wir für die Berechnung eines Fernwärme-Anschlusswertes Vollbenutzungsstunden in Höhe von 2.100 pro Jahr. Der umgerechnete Anschlusswert ist maßgeblicher Bestandteil der Grundkosten.

Zur Erläuterung zur Umrechnung der Leistung

Ermittlung des benötigten Versorgungsumfangs

 

Zur Ermittlung des erforderlichen Versorgungsumfangs für Ihr Objekt gibt es verschiedene Methoden und Ansätze. Hierzu lassen Sie sich am besten von einem Fachmann beraten, der die objektspezifischen Gegebenheiten (wie zum Beispiel Art des Objekts, Dämmung und Fensterflächen) kennt und berücksichtigen kann.

 

Alternativ könen Sie für eine erste Einschätzung auch Annahmen auf Basis von allgemein anerkannten Berechnungsmethoden verwenden. Bei einem durchschnittlichen, normal gedämmten Bestandsobjekt kann man einen Wärmebedarf von 50 Watt je m2 ansetzen. Bei Neubauten ist der Wärmebedarf üblicherweise geringer und bei älteren Objekten- speziell bei denkmalgeschützten Objekten - entsprechend höher.

Wie kann man den zu erwartenden Wärmeverbrauch ermitteln?

Am einfachsten ist es, den Verbrauch an der Messstelle, also am Wärmezähler, zu ermitteln oder aus der letzten Wärmeabrechnung zu entnehmen. Falls beides nicht möglich ist, kann auch ein rechnerisch ermittelter Wert verwendet werden. Hierbei geht man üblicherweise davon aus, dass die Heizung an 1.800 Stunden im Jahr zu 100 % in Betrieb ist (sog. Vollbenutzungsstunden).

Mit der folgenden Formel kann man den vorraussichtlichen Wärmeverbrauch auch auf Basis der vorzuhaltenden Wärmeleistung (kW) errechnen:

Wärmeverbrauch (kWh) = vorzuhaltende Wärmeleistung (kW) x 1.800 h/a

Allgemeine Informationen zur Wärmekostenberechnung

Die Wärmekosten für ein Gebäude setzen sich aus verschiedenen Bestandteilen zusammen. Dabei unterscheidet man grundsätzlich zwischen verbrauchsunabhängigen und verbrauchsbezogenen Kosten bzw. Entgelten.

Basis für das verbrauchsunabhängige Entgelt ist der Wärmebedarf des zu versorgenden Gebäudes, welcher mit dem Jahresgrundpreis abgerechnet wird.

Grundlage für die Berechnung der verbrauchsbezogenen Entgelte bildet die verbrauchte Wärmemenge, die mit dem Areitspreis sowie dem Emissionspreis bewertet wird.

Verbrauchsunabhängiges Entgelt (Grundkosten)

Der Jahresgrundpreis ist für die Bereitstellung der Fernwärme, unabhängig von der abgenommenen Wärmemenge (Wärmeverbrauch), zu zahlen. Es ist ein verbrauchsunabhängiger Preis, der einmal jährlich jeweils zum 1. April angepasst wird. Der Jahresgrundpreis wird in der Einheit "Euro je l/h" angegeben. Vor dem Hintergrund, dass größere Einzelanschlüsse spezifisch günstiger betrieben werden können, gilt ein gezones Preissystem.

Als Berechnungsgrundlage dient der Heizwasservolumendurchfluss (HWD), der in der Fernwärmeübergabestation bereitgestellt wird und in der Einheit "Liter pro Stunde (l/h)" angegeben wird.

Das verbrauchsunabhängige Entgelt, bzw. die sogenannten "Grundkosten", ergeben sich aus der Multiplikation der beiden Faktoren Jahresgrundpreis und HWD.

Verbrauchsabhängige Entgelte (Arbeitskosten und Emissionskosten)

Die abgenommene Wärmemenge wird am Wärmezähler gemessen und in der Einheit "kWh" angegeben. Die Berechnung des verbrauchsabhängigen Entgeltes erfolgt einerseits mit dem Arbeitspreis und andererseits mit dem Emissionspreis. Beide verbrauchsbezogene Preise werden in "Cent/kWh" angegeben und jeweils zum Ersten eines Quartals angepasst.

Beim Emissionsreis handelt es sich wie bim Areitspreis, um einen berbrauchsbezogenen Preis, die beide in der Einheit "Cent/kWh" angegeben und jeweils zum Ersten eines Quartals angepasst werden. Der Emissionspreis deckt dabei die Kosten für die Fernwärmeversorger kostenpflichtig zu beschaffende Zertifikate für die bei der Wärmeerzeugung entstehenden CO2-Emissionen.

Einmalige Investitionszuschüsse und Beiträge

Baukostenzuschuss
Für die Versorgung mit Fernwärme wird gemäß § 9 AVBFernwärmeV ein Baukostenzuschuss (BKZ) erhoben, der eine Beteiligung an den Kosten für die Erzeugungsanlagen und das vorgelagerte Wärmenetz abdeckt. Der BKW wird einmalig mit Fertigstellung des Fernwärmeanschlusses fällig und zählt somit nicht zu den regelmäßigen Wärmekosten.

Hausanschlusskostenbeitrag
Je nachdem, wie hoch der Aufwand für den Fernwärmehausanschluss ist, wird zusätzlich gemäß § 10 AVBFernwärmeV ein Hausanschlusskostenbeitrag (HAKB) erhoben. Der HAKB wird pauschal - individuell nach dem bautechnischen Aufwand - erhoben. Wie auch der BKW zählt er nicht zu den regelmäßigen Wärmekosten.

Wärmekosten

Zur Ermittlung der Wärmekosten einer Periode (zumeist ein Jahr) aus Basis von Vollkosten müssen auch die einmalig erhobenen Beträge (BKW und HAKB) berücksichtigt werden. Diese werden deshalb auf die übliche Vertragslaufzeit von 10 Jahren bezogen.

Nachfolgend stellen wir beispielhaft typische Modellhäuser vor, die jeweils für eine Vielzahl von Wärmekunden stehen und die Ihnen einen ersten Anhaltspunkt geben können. Dabei verwenden wir den Begriff "Grundkosten" für das verbrauchsunabhängige Entgelt, "Arbeitskosten" für das verbrauchsbezogene Entgelt sowie "Emissionskosten" für das verbrauchsbezogene Entgelt für CO2-Emissionen.

 

 

A

Kleines Mehrfamilienhaus

 

Beheizte Fläche Wärmebedarf
nach DIN
Anschlusswert
Fernwärme
Jahres­­verbrauch Gesamtkosten
(brutto)
"Mischpreis"
(brutto)
300 m² 15 kW 13 kW 27 MWh 2.425,60 Euro/a 89,84 Euro/MWh

 

Jahresgesamtkosten
Fernwärme Klassik

Aktueller Preisstand 01.04.2019

  Grundkosten Arbeitskosten Emissionskosten
Jahreskosten (netto) 734,76 €1 1.233,09 €2 70,47 €3
MwSt (19%) 139,60 € 234,29 € 13,39 €
Jahreskosten (brutto) 874,36 € 1.467,38 € 83,86 €
Anteil Jahresgesamtkosten 36,0 % 60,5 % 3,5 %
Jahresgesamtkosten (brutto) 2.425,60 €
Spezifischer Mischpreis
(gesamt, brutto) je MWh
89,84 €4
Spezif. Jahreskosten je m² 8,09 €5


 

Jahresgesamtkosten
Fernwärme Klassik mit 25% Natur Mix-Anteil

Aktueller Preisstand 01.04.2019

  Grundkosten Arbeitskosten Emissionskosten
Jahreskosten (netto) 734,76 €1 1.434,85 €2 52,85 €3
MwSt (19%) 139,60 € 272,62 € 10,04 €
Jahreskosten (brutto) 874,36 € 1.707,47 € 62,89 €
Anteil Jahresgesamtkosten 33,1 % 64,6 % 2,4 %
Jahresgesamtkosten (brutto) 2.644,72 €
Spizifischer Mischpreis
(gesamt, brutto) je MWh
97,95 €4
Spezif. Jahreskosten je m² 8,82 €5


 

Erläuterungen: 1. Umgerechneter HWD x Grundpreis 2. Jahresverbrauch x Arbeitspreis 3. Jahresverbrauch x Emissonspreis 4. Jahresgesamtkosten / Jahresverbrauch 5. Jahresgesamtkosten / beheizte Fläche

B

Mehrfamilienhaus

 

Beheizte Fläche Wärmebedarf
nach DIN
Anschlusswert
Fernwärme
Jahresverbrauch Gesamtkosten
(brutto)
"Mischpreis"
(brutto)
3.200 m² 160 kW 137 kW 288 MWh 25.760,98 Euro/a 89,45 Euro/MWh

 

Jahresgesamtkosten
Fernwärme Klassik

Aktueller Preisstand 01.04.2019

  Grundkosten Arbeitskosten Emissionskosten
Jahreskosten (netto) 7.743,24 €1 13.152,96 €2 751,68 €3
MwSt (19%) 1.471,22 € 2.499,06 € 142,82 €
Jahreskosten (brutto) 9.214,46 € 15.652,02 € 894,50 €
Anteil Jahresgesamtkosten 35,8 % 60,8 % 3,4 %
Jahresgesamtkosten (brutto) 25.760,98 €
Spezifischer Mischpreis
(gesamt, brutto) je MWh
89,45 €4
Spezif. Jahreskosten je m² 8,05 €5


 

Jahresgesamtkosten
Fernwärme Klassik mit 25% Natur Mix-Anteil

Aktueller Preisstand 01.04.2019

  Grundkosten Arbeitskosten Emissionskosten
Jahreskosten (netto) 7.743,24 €1 15.305,04 €2 563,76 €3
MwSt (19%) 1.471,22 € 2.907,96 € 107,11 €
Jahreskosten (brutto) 9.214,46 € 18.213,00 € 670,87 €
Anteil Jahresgesamtkosten 32,8 % 64,8 % 2,4 %
Jahresgesamtkosten (brutto) 28.098,33 €
Spezifischer Mischpreis
(gesamt, brutto) je MWh
97,56 €4
Spezif. Jahreskosten je m² 8,78 €5


 

Erläuterungen: 1. Umgerechneter HWD x Grundpreis 2. Jahresverbrauch x Arbeitspreis 3. Jahresverbrauch x Emissonspreis 4. Jahresgesamtkosten / Jahresverbrauch 5. Jahresgesamtkosten / beheizte Fläche

C

Großes Mehrfamilienhaus

 

Beheizte Fläche Wärmebedarf
nach DIN
Anschlusswert
Fernwärme
Jahresverbrauch Gesamtkosten
(brutto)
"Mischpreis"
(brutto)
12.000 m² 600 kW 514 kW 1.080 MWh 93.080,78 Euro/a 86,19 Euro/MWh

Hinweis: Aufgrund des Anschlusswertes kommt bei den nachfolgenden Berechnungen der gezonte* Grundpreis zur Anwendung!

 

Jahresgesamtkosten
Fernwärme Klassik

Aktueller Preisstand 01.04.2019

  Grundkosten Arbeitskosten Emissionskosten
Jahreskosten (netto) 26.076,75 €1 49.323,60 €2 2.818,80 €3
MwSt (19%) 4.954,58 € 9.371,48 € 535,57 €
Jahreskosten (brutto) 31.031,33 € 58.695,08 € 3.354,37 €
Anteil Jahresgesamtkosten 33,3 % 63,1 % 3,6 %
Jahresgesamtkosten (brutto) 93.080,78 €
Spezifischer Mischpreis
(gesamt, brutto) je MWh
86,19 €4
Spezif. Jahreskosten je m² 7,76 €5


 

Jahresgesamtkosten
Fernwärme Klassik mit 25% Natur Mix-Anteil

Aktueller Preisstand 01.04.2019

  Grundkosten Arbeitskosten Emissionskosten
Jahreskosten (netto) 26.076,75 €1 57.393,90 €2 2.114,10 €3
MwSt (19%) 4.954,58 € 10.904,84 € 401,68 €
Jahreskosten (brutto) 31.031,33 € 68.298,74 € 2.515,78 €
Anteil Jahresgesamtkosten 30,5 % 67,0 % 2,5 %
Jahresgesamtkosten (brutto) 101.845,85 €
Spezifischer Mischpreis
(gesamt, brutto) je MWh
94,30 €4
Spezif. Jahreskosten je m² 8,49 €5


 

Bei der Zonung wird der Anschlusswert nicht mit einem Jahresgrundpreis berechnet, sondern es gibt bestimmte Grenzen innerhalb derer unterschiedliche Preise gelten. Bei einem Anschlusswert von ca. 251 kW gilt der Preis der Zone 1. Die nächste Zone reicht bis 827 kW. Hier gilt der Preis der Zone 2. Über 827 kW gilt der Preis der Zone 3. Die vorgenannte Anlage durchläuft somit die Zone 1 und die Zone 2. Damit wird preislich berücksichtigt, dass größere Einzelanschlüsse spezifisch günstiger zu versorgen sind.

 

Erläuterungen: 1. Umgerechneter HWD x Grundpreis 2. Jahresverbrauch x Arbeitspreis 3. Jahresverbrauch x Emissonspreis 4. Jahresgesamtkosten / Jahresverbrauch 5. Jahresgesamtkosten / beheizte Fläche